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Über uns
Geschichte der AJS

Von 1945 bis 1991 war Europa durch den eisernen Vorhang getrennt. Dahinter beschränkte die Sowjetunion die Rechte der Juden. Ausreiseanträge wurden abgewiesen – «refused». Die «Refusniks» verloren ihre Arbeitsstellen, wurden geächtet und überwacht, gerieten in finanzielle Nöte. Die freie Welt protestierte: «Schalach et ami – Lass mein Volk ziehen – Let my people go» wurde vor den Sowjetbotschaften skandiert.

 

Aus diesem Impuls entstand 1979 die «Aktiongemeinschaft  für die Juden in der Sowjetunion», kurz AJS. Ihre Aktionen und diejenigen der «Union of Councils for Soviet Jews» beschränkten sich nicht nur auf Proteste und Mobilisierung der Weltöffentlichkeit, sondern bezweckten auch, den Widerstandswillen der Refusniks zu stärken, sie mit westlichen Informationen und finanziellen Mitteln zu versorgen, ihre Familien zu unterstützen und sie fühlen zu lassen, dass sie nicht vergessen wurden. Diese moralische Unterstützung erfolgte durch Briefverkehr und verdeckte Besuche in der Sowjetunion.

 

Im Auftrag der AJS reisten mutige jüdische Schweizerinnen und Schweizer nach Leningrad (heute St. Petersburg) und Moskau, besuchten heimlich Refusniks, überreichten ihnen illegal Geschenke, mit denen diese Beamte in Gefängnissen und Spitälern bestechen konnten, und spielten Kurier zwischen dem Judentum im Westen und in der Sowjetunion. Vorgängig waren sie von Fachleuten vorbereitet worden. Das Risiko, das diese jungen Menschen bei ihren Besuchen hinter dem eisernen Vorhang eingingen, war nicht unbeträchtlich.

 

1991 kollabierte der Ostblock. Es entstand ein neues Ost- und Mitteleuropa. Die vormaligen Sowjetrepubliken wurden souveräne Staaten – mausarm, mit einem schweren Sowjeterbe und einer galoppierenden Inflation. Zwar konnten die Juden nun auswandern, doch viele entschieden sich fürs Bleiben, wollten in Osteuropa ihre jüdischen Wurzeln wieder entdecken und stärken.

 

Die «Union of Councils for Jews in the Former Soviet Union» empfahl der AJS bei einem Treffen in Paris, sich um die Juden in Weissrussland zu kümmern. Sie befand die kleine Schweiz als passend für das in ihren Augen auch nicht grosse Weissrussland . So wandelte sich die AJS von einer mehr politischen zu einer überwiegend humanitären Organisation – weiterhin getragen von Solidarität und Menschlichkeit.

 

In dieser Phase war AJS in der Schweiz das Synonym für Lebensmittelpakete und Kleidersammlungen: Es wurden Hilfstransporte mit gesammelten Kleidern, Medikamenten, medizinischen Hilfsgeräten und Esswaren organisiert. Unzählige Spender, Mitglieder und Freunde unterstützten die Transportvorbereitungen freiwillig und unentgeltlich. Während rund 15 Jahren ging mindestens ein grosser LKW-Transport pro Jahr nach Minsk, oftmals von Mitgliedern des Vorstands begleitet, um die Verteilung vor Ort persönlich zu überwachen.

 

In den Verantwortlichen der jüdischen Hilfeorganisation «Chesed-Rachamim» in Minsk, allen voran Sofia Abramova, fand der Vorstand schon bald verlässliche Partnerinnen und mit den Jahren auch treue Freundinnen. Ohne diese Partnerorganisation wäre nichts gegangen und würde auch heute nur wenig gehen.

 

Anfang der 1990er-Jahre begann auch die Zusammenarbeit mit Leonid Levin und der «Union of Belarusian Jewish Public Associations and Communities» (UBJOC) und führte zu jährlichen Unterstützungsprojekten  für jüdische Kleingemeinden. Heute ist auch diese Organisation für AJS eine überaus wichtige Partnerin vor Ort.

 

Die Einstellung der Hilfstransporte im Jahr 2006 war ein grosser Einschnitt in der Geschichte und im Selbstverständnis der AJS. Seither konzentriert sie sich auf die finanzielle Unterstützung von sozialen und kulturellen Projekten, die insbesondere Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen zugute kommen. Weil auch die fachliche Ausbildung in diesem Bereich in Weissrussland in den Kinderschuhen steckt, engagiert sich die AJS auch hier: Während zehn Jahren wurde zum Beispiel ein Coaching-Programm (nach der Balint-Methode) für die Psychologen und leitenden Sozialarbeiterinnen durchgeführt, geleitet von Liliane Bernstein, Psychiaterin und ehemaliges Vorstandsmitglied der AJS.

(Die obige Fotografie ist aus dem Beit Hatfutsot Archive)

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